Unterfallen Hanbo, Bo etc. dem deutschen Waffengesetz? Muß ich sie verschlossen transportieren? Dürfen Kinder damit überhaupt trainieren? Diese Fragen stellen sich manchem Kobudoka. Die Antworten finden sich im Waffengesetz  (WaffG) vom 11. Oktober 2002, zuletzt geändert am 17.7.2009. Leider wird dieses Gesetz von Laien oft nur oberflächlich gelesen und falsch interpretiert. Man liest etwas von „Hieb- und Stoßwaffen“ und sagt, na klar, Kobudoka trainieren mit solchen. Das ist aber falsch, da eine Hieb- und Stoßwaffe auch erst erfordert, daß es sich um eine Waffe handelt. Es müsste ein Hanbo also erst einmal überhaupt eine Waffe im Sinne des Waffengesetzes sein, bevor er als Spezialform einer Waffe, nämlich als Hiebwaffe eingestuft werden darf. Als Rechtsanwalt möchte ich in diesem Artikel einmal die rechtliche Einstufung für das Kobudo aufzeigen und damit auch Argumente für etwaige Diskussionen mit Ordnungshütern und Behörden liefern.

Vorab kurz zusammengefaßt: Auch wenn Kobudoka Hanbo, Bo, Tessen, hölzerne Tonfa, stumpfe Kama und Sai „Waffen“ nennen, sind es keine Waffen im Sinne des deutschen Waffengesetzes. Mehrzweckeinsatzstock MES, Nunchaku und Tekko hingegen schon.

 

Nach § 1 des Waffengesetzes sind nur zwei Arten von tragbaren Gegenständen Waffen:


a) tragbare Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen;

 

b) tragbare Gegenstände, die, ohne dazu bestimmt zu sein, insbesondere wegen ihrer Beschaffenheit, Handhabung oder Wirkungsweise geeignet sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, und die im Waffengesetz ausdrücklich genannt sind.

 

Zuerst einmal zu der Ziffer a):

Aus der Zusammenschau der Ziffer a) mit b) ergibt sich, daß das „Wesen“ von der „Handhabung“ und das „bestimmt sein“ vom „geeignet sein“ abzugrenzen ist. Die meisten Kobudo-Geräte sind aber nicht „dem Wesen nach“ dazu bestimmt, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen.

 

Beispiel: Ein Kampfmesser ist vom Wesen her für den Kampf, also eine Waffe. Ein Wanderstock (Bo) ist aber vom Wesen her für das Wandern und damit keine Waffe.

 

Das Gesetz versteht unter der Ziffer a) Sachen wie Totschläger, Stahlruten, Schlagringe und Taser. Selbst richtig gefährliche Sachen wie Springmesser, Stoßdolche und Butterflymesser fallen aber nicht unter die Definition der Ziffer a), sondern werden vom Gesetzgeber ausdrücklich als nicht dem Wesen nach zur Verringerung der Angriffs- oder Abwehrfähigkeit bestimmte Gegenstände eingestuft (Anlage 1 zum WaffenG)!

 

Kobudoka trainieren mit Alltagsgegenständen bzw. Repliken von historischen Gegenständen.

Sie arbeiten z.B. mit Rundhölzern aus dem Baumarkt (Bo, Hanbo, Tessen). Lediglich durch die Handhabung sind sie als Verteidigungsgegenstände geeignet, was aber nach Ziffer a) nicht zur Einstufung als Waffe führt. Da sie schon keine Waffe sind, können sie erst recht keine Hieb- und Stoßwaffe im Sinne des Waffengesetzes sein.

Wenn es anders wäre, würde ein Baumarkt übrigens Waffen verkaufen.

Ein hölzernes Tonfa ist ein historisches Relikt zum Antreiben eines Mühlsteins und daher dem Wesen nach keine Waffe. Den Polizeischlagstock MES aus Polycarbonat oder gar Metall sehe ich hingegen als Waffe an. Er wird jedoch nur in dem vom Kobudo Kwai aktuell nicht betriebenen Tonfa-SV verwendet.

Ein stumpfes Kama aus Holz oder auch mit stumpfer Metallklinge ist an sich schon ungefährlich. Selbst die scharfe Version war eine Reissichel, wie sie auch heute noch in Gartenfachmärkten – eben nicht als Waffe - erhältlich ist.

Der Sai war ein Fischspieß und damit keine Waffe dem Wesen nach. Auch wenn Fische das anders sehen mögen, war er im übrigen nicht dazu bestimmt, die Verteidigungsfähigkeit von Menschen herabzusetzen.

Das Gesetz sieht – die innerhalb Deutschland im Kobudo Kwai daher auch nicht trainierten - Schlagringe (Tekko) und Nunchaku als Waffen (Anlage 2, Abschnitt 1). Sie sind zurecht sogar komplett verboten. Auch Soft-Nunchakus fallen unter den Waffenbegriff, wenn das in erster Linie auch wohl eher eine politische Entscheidung ist.

Die sechs Standard-Sportgeräte des Kobudo in der Stilart Gendai (Hanbo, Bo, Tessen, Tonfa, Kama, Sai) fallen also nicht unter den Waffenbegriff der Ziffer a).

 

Nun zu der Ziffer b):

Wie ich oben gezeigt habe, ist z.B. ein Bo durch seine Handhabung durchaus zur Verteidigung geeignet. Trainieren die Kobudoka daher nach Ziffer b) nun doch mit Waffen? Nein! Nach der weit reichenden Definition der Ziffer b) fiele alles, auch ein Nudelholz, Maßkrug, Bierflasche, Schürhaken, Ziegelstein, Tiefkühlhähnchen oder Küchenmesser unter den Begriff der Waffe, da man prinzipiell alles hernehmen kann, um sich zu verteidigen. Der Gesetzgeber hat daher eine Einschränkung auf Gegenstände, die in der Anlage 1 zum Waffengesetz ausdrücklich genannt sind vorgenommen (§ 1 Absatz 4 WaffG). Dort werden aber abschließend nur bestimmte Messer und nicht-mechanische Schocker aufgezählt. Es ist daher festzuhalten, daß Hanbo, Bo, Tessen, Tonfa, Kama, Sai auch keine Waffen im Sinne der Ziffer b) sind.

 

Das bedeutet: Da Hanbo, Bo, Tessen, Tonfa, Kama, Sai keine Waffen sind, dürfen selbst Minderjährige sie erwerben, besitzen, sie unverschlossen transportieren und mit ihnen trainieren.

 

Nur eine Anmerkung am Rande: Selbst wenn es entgegen meiner Auffassung Waffen wären, darf nach § 2 WaffG zumindest ein Erwachsener mit ihnen umgehen, das heißt sie erwerben, besitzen, überlassen, führen, mitnehmen, herstellen, bearbeiten, instand setzen oder damit Handel treiben. Eine Einschränkung gibt § 42 a WaffG lediglich für den Mehrzweckeinsatzstock MES, der nur in einem verschlossenen Behältnis geführt werden darf. Das Waffengesetz unterscheidet nämlich drei Kategorien von Waffen: „Normale“, erlaubnispflichtige und verbotene Waffen. Erlaubnispflichtige Waffen sind in Anlage 2 Abschnitt 2 zum Waffengesetz aufgeführt. Dort sind keine Kobudogeräte genannt. Verbotene Waffen sind in Anlage 2 Abschnitt 1 zum Waffengesetz aufgeführt. Dort sind nur Nunchaku und Schlagringe (Tekko) genannt. Sie darf man nicht einmal besitzen.

 

Ralf Anneser
Rechtsanwalt
Tiefenbach/Landshut
www.kanzlei-anneser.de